Es ist schon ein besonderes Ereignis, den Ballettmeister Antonio Castillo als Maler zu erleben, der sich bereits mit Ausstellungen der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Und doch sollte man zunächst nicht nur die Bilder betrachten, sondern… um der Person und der Persönlichkeit von Antonio Castillo gerecht zu werden…ebenso seine professionelle Leidenschaft zur Kunstform des Ballett zur Kenntnis nehmen. Denn erst daraus erschließt sich das Verständnis für seine Bilder. Nach einer beeindruckenden internationalen Karriere als Ballettmeister, Choreograph, Tanzpädagoge und Autor zeigt uns Antonio Castillo in seiner Malerei seine zweite große Begabung.
Antonio Castillo hatte Engagements und Auftritte in Bogota ( Kolumbien), in Caracas ( Venezuela), Barcelona, Madrid und Zaragoza, Mantua, Florenz, Bologna, Palermo und Paris. Zwei Jahre war er in Kairo/ Ägypten tätig. In Deutschland war er Solist am Staatstheater in Mainz, in Wiesbaden und Kassel. In Kassel gründete er eine Ballettschule und war künstlerischer Leiter des Ballettvereins. Die Ehefrau und Partnerin, Maria Pian- Castillo, hat ihren Mann nicht nur unterstützt, sondern war in gleicher Weise professionell als Balletttänzerin international tätig.
Wir sehen Bilder von Menschen aus dem Alten und Neuen Testament sowie der griechischen Mythologie, Geschichten werden erzählt und von Schicksalen wird berichtet. Dabei begegnen uns Heroen wie Zeus oder die riesenhaften Titanen, auch Kain und Abel in ihrer schicksalhaften Verbindung oder Josef und seine Brüder oder der schöne Jüngling Ganymed, den ein Adler in den Olymp entführt.
Die Vorstellung vom Heroen ist eng mit der griechischen Mythologie verbunden. Es gibt zwar auch weibliche Gestalten in den Heldenmythen, doch die Hauptdarsteller sind fast durchgängig Männer. Der Mann als Kämpfer im Vollbesitz seiner körperlichen Kraft gilt als Paradigma heroischer Qualitäten. Dabei treten die Heroen im Kampf nackt auf. Die hellenistischen Bildhauer neigen dazu, das Muskelspiel ihrer Helden zu überhöhen als Metapher für ihre Macht. Der Einfluss des heroischen Aktes erstreckte sich sogar auf die christliche Bildwelt des Neuen Testaments. Den Leichnam Christi als muskulöse Gestalt abzubilden, half, die heroische Natur im Opfer des Erlösers zu betonen.
Die Beschäftigung mit historischen Themen erfordert eine entsprechende Malweise: es ist nicht die Bildsprache der Abstrakten Kunst, sondern eine gegenständliche Malweise mit Abstraktionstendenzen, die es ermöglicht, Geschichten oder Episoden wiederzugeben.
Beim Betrachten der Bilder lässt sich erahnen, dass eine profunde Kenntnis der Renaissance Voraussetzung für das Verständnis der Darstellungsweise ist. Die Maler der Renaissance haben sich mit der Natur, der Welt und dem Menschen mit großem Forscherdrang beschäftigt. Erstmals wurden Aktstudien ausgeführt, wobei die Beobachtung des menschlichen Körpers in seiner Anatomie, seiner Plastizität, seinen Proportionen, seinen Bewegungsabläufen und perspektivischen Verkürzungen, sowie seiner Gestik und Mimik bedeutend waren. Diese Kriterien sind auch für Antonio Castillos Bilder charakteristisch. Leonardos Aktstudien basierten auf dem Gedanken, dass der menschliche Körper das Maß aller Dinge sei. Die Proportionsstudien Albrecht Dürers waren von der gleichen Idee inspiriert.
Erwähnenswert ist, dass Antonio Castillo in seiner künstlerischen Ballettausbildung auch zeichnerische Arbeiten erstellt hat. Dies gehörte zum Programm der Ausbildung.
Das große Interesse am menschlichen Körper in Bewegung resultiert bei Antonio Castillo aus einer professionellen und profunden Kenntnis des Balletts als Kunstform. Die Menschen in diesen Bildern agieren in einem Bildraum, der dem Bühnenraum des Tänzers vergleichbar ist.
Ilka-Maria Wick Kunst-und Museumspädagogin
1956 – 1957
Mitglied des "Professional Ballet of TV Bogota" (Kolumbien)
1957 – 1959
Begründer des Ensembles „Antonio und sein Ballett”, Barranquilla (Kolumbien)
Tänzer des Nationalballetts von Venezuela unter dem Choreografen Henry Asmus
Pas de Deux mit Tania Karina
Tournee durch Curacau, Aruba und Trinidad, TV-Auftritte
1961 – 1962
Tournee durch Spanien mit Auftritten in Barcelona, Madrid und Zaragoza, TV-Auftritte Tournee durch Frankreich, Auftritte in Paris mit der „Etoile de Paris” unter Milorad Miskowitsch
„The Antonio Company”, Madrid (Spanien)
1962 – 1964
Erster Tänzer und Assistenz-choreograf beim „Ballet of TV-Opera” in Kairo Auftritte im ägyptischen Fernsehen
Tournee durch Alexandria und Assuan, alternierend mit E. Maximova und Vladimir Vasillev von der „Etoile Bolshoi Ballet”
1965 – 1968
Gründer des „Petite Ballet Florentino” in Bogota (Kolumbien)
1969 – 1970
Unterricht in Pas de Deux Kursen und Klassischem Repertoire an der Scuola Danza Classica Daria Collin in Florenz (Italien) Unterricht an der Tatiana Gsowsky School of Ballet in Berlin (Deutschland)
Tänzer am Champs-Elissee mit Jerome Robins, Paris (Frankreich) Tänzer am Theater in Bologna (Italien) mit Aurelio Lilloss Unterricht an der Klassischen Tanzschule „Ludovico” in Palermo (Italien)
1971 - 1972
Tänzer und Solist am Staatstheater Karlsruhe (Deutschland) Choreograf und Erster Ballettmeister an der Landesbühne Rendsburg (Deutschland)
1972 - 1974
Erster Tänzer und Choreographischer Assistent am Staatstheater Mainz (Deutschland)
Gründer des Ballettensembles „Le Quatre”, Tournee durch Deutschland
Gastspiele am Teatro Romano di Fiesole in Florenz (Italien) und am Staatstheater Wiesbaden (Deutschland)
1974 - 1975
Staatstheater Kassel (Deutschland)
1975
Gründung der Ballettschule Pian und Castillo in Kassel (Deutschland)
Entwicklung einer eigenen, auf anatomischen Grundsätzen beruhenden Lehrmethode
1976
Vortrag: Die Geschichte des Balletts; Falsche Körperhaltung und -entwicklung aufgrund von unsachgemäßem Training Veranschaulichung anhand von Röntgenbildern; Unterstützt durch Prof. Dr. Krokowsky (Leiter der Orthopädie des Stadtkrankenhauses Kassel) und den Kiwanis Club Kassel / Frankfurt (Sitz in Hannover, Deutschland)
1977 - 1981
Entwicklung der eigenen Lehrmethode und Unterricht in der rhythmischen orthopädischen Gymnastik an der Kur Klinik Altmüller in Bad Wildungen (Deutschland)
1979 - 1986
Gründungsmitglied und Künstlerischer Leiter des Kasseler Ballett-Kunstvereins
1980
Anatomische Studien am Stadt
krankenhaus Kassel (Deutschland)
1981 - 1983
Unterricht nach der Methode Castillo für Ballett und Flamenco am Centro di Danza Classica Buonandi in Neapel (Italien)
1984
Leitung des Kurses „Theorie und Praxis des Flamenco” an der Volkshochschule Göttingen (Deutschland)
Choreograf für das Real Ballet del Atlantico in Barranquilla (Kolumbien)
Lehrstuhl für Ballettgeschichte und -methodik in Kolumbien
1985
Unterricht in Ballett und Flamenco am Centro di Danza Classica Buonandi in Neapel und an der Scuola Danza Classica in Rotoa (Italien)
1986
Konferenz über den Einfluss des Flamenco auf die Entwicklung der Folklore in Südamerika Vortrag für den Internationalen Kiwanis Club über die verschiedenen Stilrichtungen des Flamenco
1986
Choreograf für die H. Buonandi Stagione Ballettistica in Torre del Greco (Italien) Leiter der Ersten Internationalen Expertenkonferenz über Ballettunterricht, organisiert durch den Kiwanis Club Kassel e.V. (Deutschland)
Veranschaulichung der Methode Castillo
1988 – 1990
Vorlesung über Flamenco und die Methode Castillo an der Schule von Laura Franceschetti und Rita Romanelli in Neapel (Italien) Intensivkurs über Flamenco an der Ballettschule Pian und Castillo in Kassel (Deutschland)
1992
Unterricht am Fazils Dance Studio in New York (USA) und am Downtown Dance Studio in New York (USA)
1993
Unterricht am Oneidas Dance Studio in New Jersey (USA)
1994
Choreograf für das Staatstheater Kassel(Deutschland)
2010
Buchveröffentlichung " Der Körper und seine anatomischen Grenzen- Tanztechnik und System nach Antonio Castillo"